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22.10.2026 Kategorie: Gemeinde

Präsentation der rekonstruierten Generalsshärpe

von Herzog Christian am 1. November 2026

Gestohlen, verloren, rekonstruiert: Die Geschichte einer einzigartigen Herzogsschärpe

Wer die Herzogsgruft unter der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis in Wolfenbüttel betritt, begegnet den Särgen zahlreicher Mitglieder des herzoglichen Hauses Braunschweig-Lüneburg. Unter ihnen befindet sich auch der Sarg Herzog Christians von Braunschweig-Lüneburg (1599-1626), der als einer der bekanntesten Heerführer der protestantischen Seite in der Frühphase des Dreißigjährigen Krieges gilt. Seine Zeitgenossen verliehen ihm den Beinamen „der tolle Christian“

Im Jahr 1995 wurde sein Sarg im Zuge von Restaurierungsarbeiten geöffnet. Einige der dabei geborgenen Funde wurden anschließend in einer Vitrine im Vorraum der Gruft ausgestellt. Zu den bemerkenswertesten Objekten gehörte die prächtige Generalsschärpe des Herzogs, die auch auf zeitgenössischen Porträts zu erkennen ist. Herzog Christian trug sie über einer Prothese, die ihm nach der Amputation seines linken Arms angefertigt worden war. Den Arm hatte er infolge einer schweren Verwundung in der Schlacht bei Fleurus im Jahr 1622 verloren.

Im Frühjahr 2021 wurde die Hauptkirche im Zusammenhang mit einer Serie von Einbrüchen Ziel eines Diebstahls. Dabei brachen die Täter die Vitrine auf und entwendeten die ausgestellten Objekte. Die wertvollen Stücke konnten bislang nicht wieder aufgefunden werden. Dank der Versicherungsleistung wurde jedoch die Rekonstruktion der Generalsschärpe ermöglicht. Grundlage hierfür waren historische Fotografien sowie ein früherer Restaurierungsbericht.

Mit der Rekonstruktion wurden das Kieler Atelier Rabella Couture mit Dany Al Tourk für die Handstickerei sowie die Hamburger Textildesignerin und Spitzenklöpplerin Kirsten Brinckmann für die Klöppelspitze beauftragt. 

Die besondere Herausforderung bestand darin, historische Gestaltung, Materialien und handwerkliche Ausführung möglichst originalgetreu nachzuvollziehen. In enger Zusammenarbeit entstand eine textile Kostbarkeit, die die außergewöhnliche Kunstfertigkeit dieser beiden heute selten gewordenen Handwerke sichtbar macht und zugleich Wissen über hochspezialisierte Techniken bewahrt.

Die Übergabe der rekonstruierten Schärpe an die Kirchengemeinde erfolgt am Sonntag, 1. November, um 11 Uhr im Anschluss an den Gottesdienst in der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis. In einem bebilderten Kurzvortrag stellen Dr. Silke Wagener-Fimpel (Niedersächsisches Landesarchiv und Kirchenvorstand), Kirsten Brinckmann und Dany Al Tourk die Biografie Herzog Christians sowie die Entstehung und Rekonstruktion der Schärpe vor.

Interessierte sind herzlich eingeladen.

Beitrag von Pfarrer Lauer